Kaskaden, Karst und ein Sahnehäubchen Ein bisschen Kurverei ist es schon, vor allem wenn man in Ost-West-Richtung unterwegs ist: doch wer es nach Ainsa, dem Tor zum Ordesa- und AniscloTal und den eisbedeckten Hängen des Monte Perdido in den spanischen Pyrenäen geschafft hat, kann sich auf verspielt-schöne Schluchten mit blaugrünem Wasser und perfekt geformten Kalkwänden freuen. Karstige Hochflächen und tiefe Täler prägen die Landschaft – fast senkrecht fallen die Wände etwa in das berühmte Anisclo-Tal hinab. Unzählige Canyons gibt es am Ordesa, besonders innerhalb der Nationalparkgrenzen gibt

es wohl auch noch viel Neuland, doch jegliche Aktivitäten sind dort strengstens verboten, an einigen Stellen sogar das Mountainbiken auf Forstpisten. Die Abstiege außerhalb des Parks zählen zu den Pyrenäen-Klassikern. Von den Wassermassen des Miravall im Frühjahr, dem schönen Lichtspiel zwischen den engen Wänden des Gloces und den nach oben wie unten begehbaren Kaskaden des Escuaín hat wohl jeder canyonbegeisterte Pyrenäenfahrer schon etwas gehört. Entsprechend beliebt ist die Region im Sommer: viele Franzosen kommen dann durch

Karstlandschaft am oberen Consusa

den Bielsa-Tunnel und bevölkern Zeltplätze und Canyons. Mehr Ruhe hat man im Frühjahr und Herbst, wobei dann die besagten Wassermassen des Miravall oder auch das große Einzugsgebiet des Gloces zum Alternativprogramm zwingen können. Die richtige Zeit also für den Consusa, den längsten Canyon am Ordesa. Die gesamte Schlucht – mit knapp 1000 Metern Gefälle und mehr als 45 Abseilstellen - ist an einem Tag kaum

machbar, allein schon der obere Teil ist eine schöne Tagestour. Los geht es an den Häusern von Revilla, ein ehemals verlassenes Dorf, in dem sich heute jedoch wieder Ferienwohnungen für Touristen finden. Recht bald passiert man den „Amboss“, einen markant geformten Felsblock, wo man sich rechts halten muss. Von hier geht es auf einem guten Wanderweg immer weiter nach oben, wobei man das Gefühl hat, schon viel zu weit östlich zu sein.

eines Wettersturzes sicher einige Fluchtpunkte,
jedoch keine Ausstiegsmöglichkeiten bietet. Abseilstelle reiht sich an Abseilstelle, etwas kniffelig wird es beim Überklettern eines Siphons – die Felsbarriere sieht toll aus und bietet eine grandiose Aussicht auf die steilen Felswände des Castillo Mayor, doch am spiegelglatten Felsen werden manchmal schon zweieinhalb Klettermeter zur Herausforderung, die nur mit Hilfe zu meistern ist. So ungefähr muss sich eine Barbiepuppe fühlen, kurz bevor man ihr den Arm ausreisst. Weiter unten versickert das Wasser immer mehr, spätestens mit Beginn des langen Felschaos ist es komplett weg. Jetzt lassen die Reize der Schlucht spürbar nach. Der Ausstieg ist bei einer Brücke, von dort geht es links in Richtung Revilla, das man nach rund 20 Minuten erreicht.

Doch es stimmt, nach etwa eineinhalb Stunden erreicht man offenes Gelände mit toll geformten Karstblöcken. Linkerhand lässt sich jetzt schon der Einschnitt vom Consusa erahnen, weglos steigt man in der kargen Hochgebirgslandschaft immer weiter hinauf. Auf gut 1900 Metern fließt auf einmal Wasser die kargen Kalkplatten hinunter ins Tal, bildet Stufen in schönster Regelmäßigkeit und plätschert auf eine steile Kante, den Abbruch ins Tal des Rio Yaga, zu.

Die Straßenkurve vor Revilla ist auch gleichzeitig der Einstieg zum unten Teil des Consusa. Noch einmal knapp 400 Höhenmeter hat das Wasser eine kompakte, enge Schlucht bis zur Mündung in den Rio Yaga gegraben. Der untere Consusa ist meist trocken, trotzdem lohnt sich der Abstieg sehr, besonders beeindruckend ist eine Stelle, an der man sich zwischen großen Blöcken ins Dunkle abseilt – und unten bei fehlendem Wasser einen großen Schotterberg hoch laufen muss.

Hier wandelt sich der schnörkellos alpine Charakter des Consusa zu einer stellenweise eng eingeschnittenen Schlucht, die immer wieder jedoch auch offener wird – und damit für den Fall

Am Zusammenfluss von Consusa und Rio Yaga, trifft man gewissermaßen auf das Ende des Escuaín, einer Teilstrecke des Rio Yaga. Hier lohnt es sich unbedingt noch den Escuaín flussaufwärts bis zur letzten Kaskade zu laufen und vom orografisch linken Gesimsband in das Becken zu hüpfen. Zwölf bis vierzehn Meter – je nach Wasserstand – freier Fall, ein perfekter Absprung und ein vorher bitte auf ausreichende Tiefe geprüftes blaues Badebecken, das Sahnehäubchen vom Escuaín! - Sandra Rauch -