AVENTUREIROS IN GUATE Mit Schlamm beschmiert wie die Steinzeit menschen stehen wir mitten in einer Karsthöhle. Aus dieser Zeit scheint auch die Ausrüstung unseres Führers Chema zu stammen. Schuhe? Wozu? Helm? Wozu? Immerhin hat er eine Stirnlampe, die von Thomas Edinson persönlich erfunden sein könnte. Selbstverständlich ist sie nicht wasserfest, dient aber prima als Halter für zwei Kerzen, die er rechts und links unter das Gummiband gesteckt hat. Zur Sicherheit hat er auch noch jedem Latino und uns Gringos eine Kerze in die Hand gedrückt. Die meisten sind inzwischen erloschen, denn es ist gar nicht so einfach mit einer Kerze in der Hand durch unterirdische Gumpen zu schwimmen.

Wir befinden uns in der Höhle Cueva La Narias, die nur mit Führer betreten werden darf. Man folgt im Prinzip einem unterirdischen Flusslauf, der sich allerdings mehrfach verzweigt. Mal kraxelt man über glitschige Felsen, dann wieder über primitive Leitern. „Si, Si, saltar, no mas“, ja hier kannst du springen, hören wir Chema in der Dunkelheit. „No problema“, es ist nicht tief, du kannst gut stehen. Wohl dem der spanisch versteht. Die Tiefe bzw. Nichttiefe scheint hier ein Hauptkriterium für Sprungmöglichkeit zu sein. Jetzt wird uns auch klar, warum einige Schwimmwesten tragen. Dann wieder kommen wir vorbei an einzigartigen Formationen, die sich wie eine Schlange um die Felsen winden oder ein großer Stalaktit der den Namen

Sombrero trägt. Nach rund zwei Stunden Höhlencanyoning sind wir wieder am Tageslicht. Nach rund zwei Stunden Höhlencanyoning sind wir wieder am Tageslicht. Wer noch nicht genug Adrenalin hatte, kann jetzt mit Hilfe einer Riesenschaukel den Fluß überqueren. Und während man beim Canyoning bei uns mit dem Auto zurückfährt, steigen wir hier in einen aufgeblasenen Autoreifen und lassen uns den Fluss an der Oberwelt hinab treiben. Ein wahres Abenteuer. Wir befinden uns im Alta Verrapez in Guatemala.

Um dorthin zukommen, muss man eine lange Fahrt auf einer holprigen Straße, eingequetscht in einem überfüllten Bus in Kauf nehmen. Und, wenn es bergauf geht, muss die Hälfte der Passagiere aussteigen und schieben. Aber es lohnt. Die Straße hört dort auf, wo der Nationalpark Semuc Champey anfängt. Mitten im Regenwald fließt kristallklares Wasser über Terrassen durch idyllische Gumpen, in denen man baden kann. Am Ufer verkaufen Kinder selbstgemachte Schokolade. Schließlich wachsen hier Kakaofrüchtefrüchte an den Bäumen im Regenwald.

Für die vielen Höhlengeher in unserem Verein hier noch ein Tipp: In derselben Region befindet sich auch eine der größten Höhlen Amerikas und die sechstlängste der Welt: Xibalba heißt sie in der Mayasprache, übersetzt bedeutet das so viel wie „Eingang zur Unterwelt“. Es war ein heiliger Platz und eine der Hauptpilgerstätten der Mayazivilisation. Seit 1974 erforscht der Franzose Daniel Creux das Höhlensystem. Rund 22 km Länge sind inzwischen kartografiert. Weitere Infos unter www.cuevascandelaria.com

Felix Schimke